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Arthrose & Gelenke

Kniearthrose: Übungen & Hilfe

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Kniearthrose zählt zu den häufigsten Ursachen für Knieschmerzen im mittleren und höheren Lebensalter. Die Diagnose löst bei vielen Betroffenen zunächst Sorge aus, dabei stehen heute zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, um Beschwerden zu lindern und die Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten, bevor eine Operation überhaupt zum Thema wird.

Was Kniearthrose ist

Bei Kniearthrose, medizinisch auch Gonarthrose genannt, nutzt sich der Gelenkknorpel im Kniegelenk im Lauf der Zeit ab. Dieser Knorpel wirkt normalerweise wie eine Art Puffer zwischen den Knochen und sorgt für ein reibungsloses Gleiten der Gelenkflächen. Ist er geschädigt, kommt es zunehmend zu Reibung, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Der Verschleiss betrifft häufig nicht nur den Knorpel selbst, sondern mit der Zeit auch angrenzende Strukturen wie Knochen, Gelenkkapsel und umliegende Muskulatur. Typische Beschwerden sind Schmerzen bei Belastung, ein spürbares Anlaufen am Morgen oder nach längerem Sitzen sowie eine allmählich abnehmende Beweglichkeit.

Kniearthrose entwickelt sich meist über einen längeren Zeitraum und verläuft bei jeder Person unterschiedlich. Manche Betroffene berichten über Jahre hinweg nur von leichten Beschwerden, während bei anderen die Einschränkungen rascher zunehmen. Eine ärztliche Abklärung ist daher wichtig, um den individuellen Verlauf einzuschätzen und passende Massnahmen zu besprechen.

Verschiedene Faktoren können die Entstehung von Kniearthrose begünstigen, etwa frühere Verletzungen des Kniegelenks, jahrelange einseitige Belastung, bestimmte Fehlstellungen der Beinachse oder eine familiäre Veranlagung. Auch das Alter spielt eine Rolle, da sich Knorpelgewebe im Lauf des Lebens langsamer erneuert. Diese Faktoren lassen sich nicht immer beeinflussen, was die aktive Gestaltung der Behandlung umso wichtiger macht.

Warum konservative Therapie heute im Vordergrund steht

Früher galt eine Operation bei fortgeschrittener Kniearthrose oft als naheliegender Schritt. Heute steht die konservative, also nicht-operative Behandlung in der Regel klar an erster Stelle. Dazu zählen unter anderem Physiotherapie, gezielte Bewegung, gegebenenfalls Schmerztherapie und Anpassungen im Alltag.

Der Grund liegt darin, dass sich mit konservativen Massnahmen bei vielen Betroffenen die Beschwerden spürbar lindern und die Funktion des Kniegelenks über längere Zeit erhalten lassen. Eine Operation bringt zudem eigene Risiken und einen aufwendigen Heilungsprozess mit sich, weshalb sie erst dann sinnvoll erscheint, wenn andere Wege ausgeschöpft sind.

Physiotherapie setzt bei Kniearthrose an mehreren Punkten gleichzeitig an: Sie kann helfen, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit des Gelenks zu erhalten und die umliegende Muskulatur so zu kräftigen, dass sie das geschwächte Gelenk besser entlastet und stabilisiert.

Konkrete Übungsansätze bei Kniearthrose

Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur

Eine kräftige Oberschenkelmuskulatur, insbesondere der vordere Oberschenkelmuskel, kann das Kniegelenk bei Bewegungen spürbar entlasten. Häufig eingesetzte Übungen sind kontrolliertes Aufstehen vom Stuhl, sanftes Anspannen der Oberschenkelmuskulatur im Sitzen oder Liegen sowie angepasste Kräftigungsübungen mit geringem Widerstand. Die Übungen sollten so gewählt werden, dass sie das Gelenk nicht zusätzlich reizen.

Beweglichkeit erhalten

Neben der Kraft spielt die Beweglichkeit eine wichtige Rolle. Regelmässige, sanfte Bewegungsübungen, die das Knie in seinem vollen, schmerzfreien Bewegungsumfang bewegen, können dazu beitragen, dass Beugung und Streckung nicht zusätzlich eingeschränkt werden. Auch das Fahrradfahren, ob im Freien oder auf dem Heimtrainer, wird bei Kniearthrose häufig empfohlen, da es das Gelenk gleichmässig und gelenkschonend bewegt.

Bewegung statt Schonung

Ein zentraler Grundsatz bei Kniearthrose lautet: Bewegung statt Schonung. Wer das Knie aus Angst vor Schmerzen dauerhaft schont, riskiert einen weiteren Abbau der Muskulatur, was die Belastung für das Gelenk am Ende eher erhöht als verringert. Sinnvoller ist eine an die Beschwerden angepasste, regelmässige Bewegung, die weder das Gelenk überlastet noch komplett vermieden wird.

Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Aquafitness oder Nordic Walking eignen sich häufig gut, um aktiv zu bleiben, ohne das Kniegelenk übermässig zu belasten. Welche Aktivitäten im Einzelfall geeignet sind, hängt von der individuellen Beschwerdesituation ab und sollte im Zweifel fachlich abgeklärt werden.

Koordination und Gangbild

Neben Kraft und Beweglichkeit spielt auch die Koordination eine Rolle. Übungen zur Verbesserung des Gleichgewichts und der Bewegungssteuerung können helfen, das Kniegelenk im Alltag gezielter und kontrollierter einzusetzen, wodurch unnötige Belastungsspitzen vermieden werden. Auch das Gangbild wird bei Kniearthrose häufig genauer betrachtet, da ein verändertes Gangmuster, etwa durch unbewusstes Schonen, langfristig weitere Strukturen zusätzlich belasten kann.

Gewicht und Gelenkbelastung

Das Körpergewicht wirkt sich direkt auf die Belastung des Kniegelenks aus. Bei jedem Schritt lastet ein Mehrfaches des Körpergewichts auf dem Knie, weshalb bereits geringe Gewichtsveränderungen einen spürbaren Unterschied für die Gelenkbelastung machen können.

Eine Gewichtsreduktion ist deshalb bei bestehendem Übergewicht häufig ein sinnvoller Baustein im Gesamtkonzept, ersetzt aber keine gezielte Bewegungstherapie. Beide Ansätze ergänzen sich meist am besten, wenn sie gemeinsam verfolgt werden, etwa durch eine Kombination aus angepasster Ernährung und regelmässiger, gelenkschonender Bewegung.

Wichtig ist dabei ein realistischer Blick auf das eigene Vorgehen. Eine schrittweise, nachhaltige Anpassung von Bewegung und Ernährung ist in der Regel erfolgversprechender als kurzfristige, radikale Massnahmen. Gerade bei bestehenden Knieschmerzen sollte zudem darauf geachtet werden, dass zusätzliche Bewegung gelenkschonend erfolgt, damit das Kniegelenk nicht durch eine zu intensive Trainingssteigerung überlastet wird.

Wann eine Knieprothese zum Thema wird

Eine Knieprothese, auch Totalendoprothese oder TEP genannt, wird in der Regel erst dann in Betracht gezogen, wenn konservative Massnahmen wie Physiotherapie, Bewegung und gegebenenfalls medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend wirken und die Beschwerden den Alltag erheblich einschränken. Diese Entscheidung wird individuell zwischen der betroffenen Person und der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt getroffen.

Wer bereits eine Knieoperation hinter sich hat oder eine solche plant, findet im Artikel zur Reha nach Knieoperation einen Überblick über den typischen Ablauf der Rehabilitation danach. Für Personen mit Beschwerden im Hüftgelenk kann zudem ein Beitrag zu Hüftarthrose hilfreich sein, da sich manche Belastungsmuster und Empfehlungen unterscheiden.

Physiotherapie und Alltag

Ein durchdachtes Übungsprogramm entfaltet seine Wirkung meist erst durch regelmässige, langfristige Umsetzung. Viele physiotherapeutische Ansätze bei Kniearthrose zielen deshalb darauf ab, ein Übungsprogramm zu erarbeiten, das auch zuhause selbstständig fortgeführt werden kann.

Auch die allgemeine Beweglichkeit im Alltag verdient Aufmerksamkeit. Kurze Bewegungspausen bei längerem Sitzen, angepasstes Schuhwerk und ein bewusster Umgang mit Belastungsspitzen, etwa beim Tragen schwerer Lasten, können dazu beitragen, das Kniegelenk im Alltag zu entlasten.

Menschen mit Kniearthrose profitieren häufig auch von einem allgemein aktiven Lebensstil, der die Muskulatur im gesamten Körper stärkt. Ähnliche Prinzipien wie Krafterhalt und gezielte Belastung spielen etwa auch beim Training bei Osteoporose eine Rolle, auch wenn es sich dabei um ein anderes Beschwerdebild handelt.

Wer eine Behandlung bei Kniearthrose in Erwägung zieht, kann sich bei der Suche nach einer Physiotherapie-Praxis in Hinwil über das lokale Angebot informieren und die eigene Situation fachlich abklären lassen.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Bei anhaltenden oder zunehmenden Knieschmerzen sollte immer eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Häufige Fragen

Ist Bewegung bei Kniearthrose schädlich?

Nein, moderate und angepasste Bewegung gilt bei Kniearthrose als sinnvoll und wird in der Regel ausdrücklich empfohlen. Schädlich ist eher dauerhafte Schonung, da sie die umliegende Muskulatur schwächt und das Gelenk zusätzlich destabilisiert. Wichtig ist, die Belastung an die individuelle Beschwerdesituation anzupassen.

Welche Übungen helfen bei Kniearthrose?

Bewährt haben sich vor allem Übungen zur Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur sowie Bewegungsübungen, die die Beweglichkeit des Kniegelenks erhalten. Auch gelenkschonende Ausdauerformen wie Velofahren oder Schwimmen werden häufig eingesetzt. Welche Übungen im Einzelfall geeignet sind, sollte individuell abgeklärt werden.

Wann braucht man ein neues Kniegelenk?

Eine Knieprothese wird in der Regel erst dann zum Thema, wenn konservative Massnahmen wie Physiotherapie, Bewegung und gegebenenfalls Schmerztherapie nicht mehr ausreichend helfen und die Lebensqualität deutlich eingeschränkt ist. Die Entscheidung dafür trifft immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt gemeinsam mit der betroffenen Person.

Kann Übergewicht Kniearthrose verschlimmern?

Ein höheres Körpergewicht erhöht die Druckbelastung auf das Kniegelenk bei jedem Schritt spürbar. Eine Gewichtsreduktion kann daher bei bestehendem Übergewicht dazu beitragen, die Gelenkbelastung zu senken. Dies ersetzt jedoch keine individuelle medizinische Beratung.

Hilft Physiotherapie auch bei fortgeschrittener Kniearthrose?

Physiotherapie kann grundsätzlich in jedem Stadium der Kniearthrose sinnvoll eingesetzt werden, auch wenn der erreichbare Effekt mit fortschreitendem Gelenkverschleiss unterschiedlich ausfallen kann. Sie zielt dann häufig darauf ab, die verbleibende Beweglichkeit und Muskelkraft möglichst lange zu erhalten.

Fachlich geprüft von Franziska Held, Bachelor of Health in Physiotherapie, Inhaberin PhysioHeld Hinwil.

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